Penisprothese und Harnschließmuskelimplantation
Erektile Dysfunktion und Harninkontinenz nach Prostatektomie: prothetische Lösungen und chirurgische Ansätze
Erektile Dysfunktion (ED) und Harninkontinenz aufgrund eines Schließmuskelmangels sind zwei häufige Erkrankungen nach einer radikalen Prostatektomie, die oft mit neurovaskulären Schäden oder anatomischen Veränderungen zusammenhängen. Obwohl sie zunächst mit konservativen Therapien beherrschbar sind, stellt in refraktären Fällen die Implantation von Prothesen eine endgültige Lösung dar.
Erektile Dysfunktion: Penisprothese und Implantationstechniken
Penisprothesen werden unterteilt in:
Formbar (halbstarr): flexible Silikonstäbe, die eine dauerhafte, aber formbare Erektion garantieren.
Hydraulik (2 oder 3 Komponenten): Geräte, die eine physiologische Erektion durch einen Füll-/Ausflussmechanismus simulieren.
Operationstechnik zur Implantation einer Penisprothese
Chirurgischer Zugang:
Penoskrotale Inzision (am häufigsten): ermöglicht eine hervorragende Freilegung der Corpora Cavernosa und die Positionierung der Pumpe im Hodensack.
Subpubischer Schnitt: Alternative in ausgewählten Fällen, sinnvoll bei Patienten mit früheren Beckenoperationen.
Erweiterung der Schwellkörper:
Verwendung von Hegar-Dilatatoren oder speziellen Instrumenten, um Platz für die zylindrischen Komponenten zu schaffen.
Platzierung der Prothese:
Genaue Längenmessung zur Vermeidung von „schlaffer Eichel“ oder übermäßigen Spannungsphänomenen.
Bei hydraulischen Modellen erfolgt die Platzierung des Reservoirs im Retzius-Raum (extraperitonealer Weg) und der Pumpe im Hodensack.
Intraoperativer Funktionstest (für hydraulische Prothesen) und Schichtverschluss.
Harninkontinenz: Künstlicher Schließmuskel (AUS) und Implantationstechniken
Der künstliche Harnschließmuskel (AUS) ist der Goldstandard bei schwerer Inkontinenz. Das am häufigsten verwendete Modell (AMS 800) umfasst:
Harnröhrenmanschette: wird um die Bulbarharnröhre herum positioniert.
Hodensackpumpe: ermöglicht die Aktivierung/Deaktivierung des Geräts.
Druckbehälter: im retroperitonealen Raum gelegen.
Operationstechnik für die AUS-Implantation
Positionierung der Harnröhrenmanschette:
Perinealer Zugang mit Längs- oder Querschnitt.
Sorgfältige Präparation der Bulbarharnröhre, um Gefäßschäden zu vermeiden.
Manschettenmessung (typischerweise 4–5 cm), um eine wirksame Okklusion sicherzustellen.
Platzierung der Pumpe im Hodensack (kontralateral zu jeder Penisprothese).
Platzierung des Reservoirs im retropubischen Raum (inguinaler oder abdominaler Weg).
Anschließen von Schläuchen und intraoperativer Funktionstest.
Kombiniertes Implantat (Penisprothese + AUS): Vorteile und chirurgischer Ansatz
Der kombinierte Eingriff wird in einer einzigen Sitzung durchgeführt, was logistische Vorteile und eine Verkürzung der Wiederherstellungszeiten bietet.
Kombinierte Operationstechnik
Präoperative Planung:
Urodynamische Untersuchung und Beckenbildgebung zum Ausschluss von Harnröhrenstrikturen.
Wahl der Prothesenabmessungen zur Vermeidung anatomischer Konflikte.
Bedienablauf:
Erste Phase: Implantation der Penisprothese (penoskrotaler Zugang).
Zweite Phase: Implantation des AUS (Harnröhrenmanschette und Zubehörkomponenten).
Wichtige Hinweise:
Vermeiden Sie eine Kompression der Harnröhre zwischen der AUS-Manschette und den Peniszylindern.
Alternative Platzierung der Skrotalpumpen (falls erforderlich).
Postoperatives Management:
Aktivierung von AUS nach 4–6 Wochen zur Förderung der Heilung.
Längere Antibiotikatherapie zur Verringerung des Infektionsrisikos.
Komplikationen und intraoperatives Management
Infektionen: Reduziertes Risiko durch hydrophile Implantate und prophylaktische Antibiotika.
Harnröhrenerosion: häufiger bei bestrahlten Patienten; erfordert eine atraumatische Dissektionstechnik.
Mechanische Fehlfunktionen: chirurgische Revision in etwa 10–15 % der Fälle nach 10 Jahren.
Die kombinierte Implantation einer Penisprothese und eines künstlichen Schließmuskels ist eine wirksame und sichere Strategie mit standardisierten Operationstechniken. Die Erfahrung des Chirurgen und eine sorgfältige Patientenauswahl sind entscheidend für die Optimierung der Ergebnisse.
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